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Category: ProsaInhalt abgleichen

Vergessen die Illusion

3. Dezember 2009 von syrabo

Ich habe sie vergessen, die Traurigkeit, das Lächeln, dein Lächeln und wie sich deine Haarsträhne verfängt in meiner Hand. Die Gedanken ungeformt, kein Laut, keine Stimme. Ich denke darüber nach, dein Gehen, dein Verfangen mit dem Tod, dem Sterben, wenige Jahre, die du uns begleitest. Eine wertvolle Zeit, welche ist es nicht. Jede Zeit, die ich vergass, die hinter mir liegt, die vor mir liegt. Nur im Augenblick möchte, wird die Zeit mit Unachtsamkeit gestraft, wenn es einem zuviel wird, wenn man nur darauf wartet, wann der nächste Crash folgt. Es ist immer ein Kartenhaus, das wir bauen, dass wir mit einem Atemzug zerstören. Es bedarf keiner Hand, die Illusion zu zerstreuen. Es bedarf nur deinem ausstehenden Atemzug, das Warten auf dem Nächsten, um die Illusion über unser Sein zu zerstören.

2. Juni 2009

2. Juni 2009 von syrabo

Das Kind hat in der Nacht um die Hundert im Puls geschlafen oder um dreißig Schläge zu hoch war gestellt der Rhythmus in der Minute der Ruhe schenkte ihr keine Erholung und machte den Tag müde für drei Stunden im Tiefschlaf versanken meine Gedanken an den Sommer mit seiner Hitze und ein drohendes Gewitter jagte die Epilepsie zum Umschwung nur mit Wind ohne Donner rollte warme Luft über die Terrasse durch den klaren Himmel der Mond im Dreiviertel brachten mir die Ruhe und die Erinnerung an einer glimmenden Zigarette mit deren vorübergehender Übelkeit.

21. Mai 2009

21. Mai 2009 von syrabo

In den Vierundzwanzig davor Stunden bevor das Gewitter sich im Groll mit Donner und Hagel niederlässt ist das Kind unzufrieden in einer Unruhe gefangen mit der sie stückelt den Schlaf und die Nacht teilte als sei es Tag zum Wachsein mit Tränen forderte die Schwester am Bett den lauten Monitor über den Hof still werden zu lassen und als die Vierundzwanzig vor dem ersten Blitz

15. Mai 2009

15. Mai 2009 von syrabo

Ist es die Hilflosigkeit als das Kind weint um einen unbekannten Schmerzen deren Zucken ohne rhythmische Folge zu erwähnen bricht sich in einem Schrei ohne Laut der fehlenden Stimme gebremst durch die Kanüle unter dem Kehlkopf gesetzt in der Luftröhre eröffnen neue und alte Gedanken über den Tod der Traurigkeit über das Dasein mit der Frage was hätte besser sein können als keine Antwort und es wollte auch keine Antwort wegen der Gewissheit nicht bessern zu können oder braucht der Mensch eben nur Hoffnung die meine Hilflosigkeit wieder brennen lässt.

Mein geliebter Nachbar sein Rauchmelder

3. August 2008 von S.Wurzelstein

Sie kennen sicherlich die Story: Sie legen im Hotelbett und plötzlich pfeift der Rauchmelder los, kurz nach null Uhr, und er trillert so laut, sie sitzen nicht mehr nur im Bett, sie stehen kerzengerade und wären am liebsten schon auf dem Flur.

Wenn sie es nicht kennen, dann haben Sie es sicherlich schon mal von einem Bekannten gehört, dass so mancher Brandmelder auch ohne Gefahr für Leib und Leben pfeift. Oder ist da vielleicht doch Leben in Gefahr? Je nachdem, wie man es nimmt. Er pfeift nämlich auch dann, wenn die Batterie des Brandmelders ihren baldigen Tod bekannt gibt und dies ist, damit Mensch es auch registriert, mitten in der Nacht.

Charlott 2 (v)

31. Mai 2008 von S.Wurzelstein

Der Rettungswagen kam schneller, als ich erwartet hatte. Fritz lag da, alle Muskeln waren angespannt, steif. Eigentlich ist der Bub immer locker, zu locker, wie die Therapeuten meinen. Und dann flimmerten seine Augenlider. Zuerst hatte ich den Kinderarzt angerufen, doch der stotterte nur herum. Er könne eh nichts machen, vielleicht ein Anfall, ein epileptischer, und seine Praxis sei gerade voll. Wie, er könne eh nichts machen? Doch darauf antwortete er nicht, wie immer. Stellt man Rückfragen, dann folgt die Stille. Ich legte auf, ich hatte keine Lust, auf eine leere Aussage zu treffen.

Mein geliebter Nachbar

29. Mai 2008 von S.Wurzelstein

Ja, mein Lieblingsnachbar, er hat nicht mehr ein Jahr und dann beginnt sein Neunzigstes. Haben Sie, liebe Leser, auch einen solchen Herrn oder Dame? Sie fragen eher, wie ich dazu gekommen bin. Nun, er klingelte, war etwas erschöpft und trug eine Unruhe mit sich herum, er meinte, der Fernseher ginge nicht, seine Betreuerin wäre weg und ob ich das nicht reparieren könnte.

Im gleichen Hauseingang wohnt er nicht, auch nicht im gleichen Block und doch ließ ich mich in diese, eine neue, Beziehung einfach reinziehen. Ob es meine Unfähigkeit war, einfach Nein zu sagen, wusste ich nicht, oder ob es das Wissen war: Es war Samstag und so konnte er bei der Hausverwalterin niemanden antreffen, und dass eben für viele alte Menschen das Fernsehen mehr ist als nur ein Mittel gegen die Langeweile. Sicherlich, er wollte zu der Wohnung neben uns. Darum war ich über diese Anfrage nicht erstaunt, denn es klingelte öfters mal bei uns, wobei die Leute eigentlich zur Nachbarwohnung wollten. Dies liegt, scheinbar, an der Namensähnlichkeit der Hausverwalterin mit uns. Die besteht, man staune, aber nur in der Aussprache, mit der Färbung des Dialekts in Jena, gekoppelt an einem schlechten Hörvermögen im Alter. Denn dann klingt der Name der Leiterin der Hausverwaltung eben wie unserer, oder verhakt sich zumindest so im Kopf.

Charlott 2 (u)

24. Mai 2008 von S.Wurzelstein

Ich hätte es ja nie geglaubt. Sie hatte aber immer davon geredet. Werde bloß nicht alt, hatte sie immer gesagt, wenn man sie getroffen hatte. Werde bloß nicht alt und hatte dann vom Sterben geredet. Sie hätte sich einen guten Mix von ihren Tabletten gemacht, hieß es, runter geschluckt mit einem einfachen Fusel aus dem Supermarkt, und das war es. Aufgefallen war es schon, dass sie weg war, man dachte, sie sei in der Klinik, aber dann stand plötzlich ein junger Mann mit der Polizei vor der Tür. Es gab Gerede und einer werkelte am Schloss rum. Ein paar Tage später kam dann eine Firma in die Wohnung, warf den Hausstand in einen Container, der nicht mehr brauchbar war, die anderen Sachen nahmen sie mit.

Charlott 2 (t)

16. Mai 2008 von S.Wurzelstein

Kaum war sie das erste mal bei uns, die Frühförderin, da stellte ich mir gleich die Frage, ob es keine Alternative gäbe. Ich mochte sie nicht. Es war nicht nur ihr Geruch, säuerlich, worüber sie ein süßes Parfüm legte. Aber das Saure stach sich durch zu einem modrigem Mix, wie ein feuchter Keller, indem eine Ladung Milch vergessen wurde. Vielleicht klingt dies etwas hart, aber kurz nachdem sie weg war, riss ich alle Fenster auf, deckte Fritz zu und lüftete eine knappe halbe Stunde. Doch ich roch sie danach immer noch, überall, als wenn sich der Geruch jetzt tief in alle Wände gezogen hat statt nach draußen. Ich war froh, sie käme nur einmal pro Woche, denn meine Nase konnte sie nicht vergessen. Fritz war es wohl egal, er hat seinen Feuchtfilter über der Kanüle. Aber wenn es nur der Geruch alleine gewesen wäre, wenn.

Charlott 2 (s)

15. April 2008 von S.Wurzelstein

Visite. Wenn dann die Ärzte so über Fritz hinweg schauen, da stellte sich mir oft die Frage: Was denken die? Worüber wird hier eigentlich verhandelt? Häufig war es mir gar nicht klar. Sicherlich, wenn da so ein kleiner Junge liegt, fiebernd, angeklemmt an an einer surrenden Maschine. Mir treibt es zumindest jeden Morgen erstmal die Tränen in die Augen. Nichts von Gewöhnung, denkste.

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